Das Internet vergisst nichts. Diese Erfahrung müssen leider auch Sicherheitsanbieter und Ermittlungsbehörden immer wieder machen. Zwar werden die Schlagzeilen von den neuesten Bedrohungen und Abwehrtechniken beherrscht, doch sollte man nicht den Fehler machen, „alte“ Bedrohungen und Taktiken von Cyberkriminellen zu unterschätzen. Der totgeglaubte Bankentrojaner RAMNIT, der 2016 ein wahres Comeback gefeiert hat, ist ein perfektes Beispiel dafür.

RAMNIT ist ein Banken-Trojaner, der seit 2010 sein Unwesen treibt und vertrauliche Informationen wie Kontodaten stiehlt. Europol wollte dem Treiben Einhalt gebieten und nahm im Februar 2015 einige Befehls- und Kontrollserver vom Netz, von denen aus der Trojaner auf den infizierten Rechnern der Anwender gesteuert wurde. Zu diesem Zeitpunkt gingen die Behörden von 3,2 Millionen erfolgreichen Infektionen aus.

RAMNIT 2.0: Gefährlicher denn je

Doch nur wenige Monate später tauchte der Schädling wieder auf, nämlich im Dezember 2015, nur gefährlicher denn je. So nisten sich die neuen Varianten in alle laufenden Prozesse ein, um permanent im Speicher ausgeführt zu werden, und löschen Registrierungseinträge von Sicherheitslösungen, um nicht entdeckt zu werden. In der Tat war RAMNIT, weltweit gesehen, in jedem Quartal des vergangenen Jahres die Top-Banking-Malware. Und selbst in Deutschland, wo das Online-Banking im Vergleich zu anderen Ländern sehr sicher ist, taucht RAMNIT auf den vorderen Plätzen der Liste mit Internetbedrohungen auf.

Der Infektionsweg ist immer derselbe: Spam-Nachrichten mit Links auf infizierte Webseiten, von denen aus der Schädling auf die Rechner der Anwender heruntergeladen wird. Bekannte Schadsoftware, bekannter Infektionsweg – es gibt viele solcher Beispiele, die belegen, dass der Kampf gegen Bedrohungen im Netz dem gegen das Schlangenungeheuer Hydra gleicht. Haut man ihr den Kopf ab, wachsen zwei neue nach. Der Bankentrojaner DRIDEX ist übrigens neben RAMNIT ein weiterer Fall „wundersamer“ Wiederauferstehung, nachdem er 2015 vom FBI ins Visier genommen wurde.

Auch wenn heute in der aktuellen Sicherheitsdiskussion viel über IoT-Geräte, Sicherheitslücken und das Aufspüren unbekannter Bedrohungen mittels neuer Technologien wie maschinelles Lernen die Rede ist, darf das Alte nicht in Vergessenheit geraten. Das beste Mittel gegen Risiken wie RAMNIT-Infektionen ist der gute alte Spam-Filter – neben der Wachsamkeit und einem gesunden Misstrauen der Anwender. Schließlich sollte man niemals auf unbekannte und unaufgefordert zugeschickte Links in E-Mail-Nachrichten klicken.

Generationenübergreifende Sicherheit

Die Cyberkriminellen rüsten ständig auf. So gleicht der RAMNIT 2016 in vielen Aspekten nicht mehr dem Original von 2010. Gleichzeitig setzen sie jedoch auf Bewährtes und entwickeln nicht nur ständig neuartige Bedrohungen, sondern auch bestehende weiter. Dementsprechend können IT-Sicherheitsanbieter nicht auf eine einzige Abwehrmethode setzen, so innovativ und effektiv sie auch sein mag. Für das beste Schutzniveau sorgen immer noch mehrschichtige Lösungen, die alte und neue Bedrohungen erkennen und abwehren können und sozusagen generationenübergreifend Sicherheitstechnologien in sich vereinen.

RAMNIT: die Comeback Story des letzten Jahres

Originalbeitrag von Trend Micro Anfang dieses Jahres veröffentlichte Action Fraud, das britische Cyberkriminalitäts-Reporting-Zentrum, eine Warnung, dass Kriminelle Phishing-Mails mit dem vorgeblichen Absender Migrant Helpline versenden. Migrant Help ist eine gemeinnützige Organisation, die Einwanderer unterstützt. Die Mails enthielten einen Fake-Link auf eine Spendenseite.

Weitere Informationen

Weitere Informationen zu RAMNIT sind im deutschsprachigen Trend-Micro-Blog abrufbar.

Über Udo Schneider

Udo Schneider kennt sich aus mit den Gefahren, die im Internet lauern, und weiß, wie man sich vor ihnen schützen kann. Bevor er beim IT-Sicherheitsanbieter Trend Micro seine jetzige Position als Pressesprecher antrat, beschäftigte er sich als Solution Architect EMEA mehrere Jahre lang mit der Entwicklung geeigneter Maßnahmen gegen diese Gefahren – mit Fokus auf Cloud-Computing, Virtualisierung, Verschlüsselung und Netzwerksicherheit.

Schneider kommt dabei seine langjährige Erfahrung zugute, die er als Berater, Trainer und Security-Analyst bei verschiedenen Anbietern des IT-Sicherheitsmarktes erworben hat.