Der Deutsche Bundestag hat vergangene Woche einem Gesetzentwurf zugestimmt, um die Verschlüsselung von WhatsApp und anderer Messenger-Kommunikation zu umgehen und damit abhören zu können. Doch die Vorstellung, ein Staat könne selbst eine Software entwickeln und wäre dann dauerhaft in der Lage, damit digitale Kommunikation abzufangen, ist nicht zutreffend – genauso wenig wie die Annahme, der Staat könne für Abhörmaßnahmen auf Toleranz oder Unterstützung von Security-Unternehmen hoffen.

Im untenstehenden Statement stellt Bob Botezatu, Leitender Analyst für digitale Bedrohungen beim Security-Spezialisten Bitdefender, fest: Es kann und wird keine Sonderbehandlung staatlicher Malware geben.

„Wer in die Welt der Malware eintaucht, befindet sich schnell in einer Grauzone der Legalität. In der Praxis verwenden staatliche Organe bei der Online-Überwachung oft Tools, Malware und Sicherheitslücken, die Cyberkriminelle vor ihnen aufgespürt haben. Und umgekehrt nutzen Cyberkriminelle auch Software und Angriffsmethoden, die staatliche Stellen entdeckt oder entwickelt haben, wie zuletzt WannaCry drastisch vor Augen führte. Täglich tauchen zehntausende neue Schadcodes auf. Wir erkennen und blocken sie weitgehend automatisiert durch Machine Learning und Verhaltensanalysen.

Auch wenn der Einsatz von Schadsoftware im Einzelfall also vielleicht legitim und im Einklang mit Gesetzen steht, wird unsere Lösung sie blocken. Es kann und wird von unserer Seite keine Sonderbehandlung staatlicher Malware geben. Unsere Mission als Anbieter von Sicherheitslösungen ist es, Anwender vor jeglicher Malware zu schützen, unabhängig von deren Quelle. Gute Malware gibt es nicht.“

Bogdan „Bob“ Botezatu, Leitender Analyst für digitale Bedrohungen, Bitdefender

Hintergrundinfos
Bogdan Botezatu ist leitender Analyst für digitale Bedrohungen bei Bitdefender. Er hat umfangreiche Erfahrung auf dem Gebiet der Computernetzwerke und Malware-Forschung und arbeitet bereits seit 2007 für den rumänischen Entwickler von innovativen Virenschutzlösungen. Seine Fachgebiete umfassen elektronische Kriegsführung sowie Malware auf mobilen Geräten und in sozialen Netzwerken.

Als leitender Analyst für digitale Bedrohungen war er Mitglied der Teams, die für die Entwicklung des Bitdefender USB Immunizer und der Bitdefender Removal Tools verantwortlich zeichnen. Darüber hinaus ist er der Autor von „Malware History“, einer Übersicht über die interessantesten Entwicklungen in der Malware-Bedrohungslandschaft, „Securing Wireless Networks“, einer Anleitung zur Absicherung von Heimnetzwerken, und dem „Safe Blogging Guide“, einem Leitfaden zum sicheren Bloggen und zuverlässigen Identitätsschutz.

Bogdan Botezatu hat als Referent an zahlreichen Sicherheitskonferenzen in der ganzen Welt teilgenommen, darunter die IPEXPO, DefCAMP sowie internationale Seminare, so zum Beispiel das von IMPACT Alliance organisierte “Current Methods for Combating Cybercrime”. Vor seiner Zeit bei Bitdefender war er Systemadministrator für die Alexandru-Ioan-Cuza-Universität in Iasi.