Antivirensoftware installiert oft PUPs mit und gefährdet so Systeme

Ein Besorgnis erregender Trend gerät langsam außer Kontrolle. Potenziell unerwünschte Programme (PUPs) sind weiterhin auf dem Vormarsch. Was jedoch noch Besorgnis erregender ist: wie die Verbreitung vonstatten geht. Seit große Anbieter wie Oracle (Java) und Microsoft (Bing und Skype) damit begonnen haben, ihre Software im Paket mit anderer Software zu verkaufen, sind jetzt Antiviren-Softwarenanbieter jetzt auf diesen Zug aufgesprungen. Wir haben Recherchen zu den häufigsten Vorgehensweisen mit PUPs unter Freeware-Antiviren-Softwareanbietern angestellt, und die Ergebnisse sind recht verstörend.

PUPs sollen sich auf Ihren PC einschleichen, damit man mit Ihnen Geld verdienen kann.

Zunächst fassen wir einmal kurz zusammen, was PUPs sind und warum sie sich wie ein Lauffeuer verbreiten. PUPs sind Programme, die sich als Toolbars, Adware, Plug-ins oder andere Downloads präsentieren und sich auf Ihrem PC einnisten. PUPs gelten (noch?) nicht als Malware, da sie nicht immer eine Gefahr darstellen, aber recht häufig nervtötend sind, daher auch der Name “potenziell unerwünscht”. Dennoch werden PUPs immer unerwünschter denn je: allein die Tatsache, dass Sie keine Ahnung davon haben, dass das, was Sie installieren, unerwünscht ist. Falls Sie urplötzlich Veränderungen an der Arbeitsgeschwindigkeit Ihres Computers, an der Suchmaschine in Ihrem Browser, nervige Pop-up-Werbeanzeigen, neue Toolbars in Ihrem Browser-Menüleiste oder anderweitige Veränderungen im Verhalten Ihres Computers oder seines Aufbaus bemerken, besteht eine sehr große Wahrscheinlichkeit, dass auf Ihrem PC ein oder mehrere PUPs installiert wurden.

Achtung, Gefahr! Probieren Sie das nicht zu Hause aus: laden Sie Top-10-Anwendungen von Download.com herunter.

PUPs sind nichts Neues. Aber das stellt einen alarmierenden Trend dar, da immer mehr Freeware-Anbieter und -Vertreiber, wie z. B. Download-Portale, PUPs in hohen Auflagen verteilen – und all das für schnelles Geld. Selbst Sourceforge, eine Hosting-Plattform für Open-Source-Projekte, hat damit begonnen, PUPs ihren Downloads beizugeben, ohne dass die Entwickler, die dort ihre Projekte einstellen, dazu ihre Zustimmung gegeben hätten. Die Tech-Website HowtoGeek zeigte vor kurzem, was geschieht, wenn Sie die Top-10-Anwendungen bei Download.com herunterladen, die nach Download-Volumen aufgelistet sind:

“Wir haben die Top-10-Anwendungen von Download.com installiert, und Sie werden uns kaum glauben, was passiert ist! Nun, ich denke, Sie werden sich das schon gut vorstellen können. Nichts Gutes. Überhaupt nichts Gutes. Wir wettern seit Jahren gegen Freeware-Downloads, weshalb wir dachten: warum erlauben wir uns nicht einen Spaß und lassen es einmal wirklich darauf ankommen, indem wir Software herunterladen, wie es jeder arglose Nutzer tun könnte?”

Das Ergebnis dieses Tests: ALLE Top-10-Anwendungen auf Download.com werden mit PUPs geliefert, einige strotzten nur so davor. HowtoGeek rät Nutzern sogar davon ab, dies zu Hause auf ihrem Hauptrechner auszuprobieren, es sei denn, Sie möchten Ihren Computer in einen “nutzlosen Haufen Plastik” verwandeln.

Antiviren-Programme sind auch auf diesen Zug mit aufgesprungen

Hier jetzt die Top-10-Liste von Download.com, die HowtoGeek für ihren Test einsetzte:
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Top-10-Downloads von Download.com von Januar 2015

Sticht Ihnen irgendetwas auf dieser Liste ins Auge? Es finden sich zwei Antiviren-Programme auf dieser Liste! Ethik scheint dem Software-Sektor vollkommen abhanden gekommen zu sein, wenn selbst Antiviren-Softwareanbieter mit ihrer Software PUPs anbieten. Sehen Sie sich einmal die Download-Volumen im Screenshot oben an: bis zu einer Million Downloads pro Woche. Addieren Sie dazu die Downloads aus anderen Quellen und die Tatsache, dass PUP-Hersteller bereit sind, alles von ein paar Pennys bist zu 2 US-$ zu zahlen, und schon haben Sie eine ungefähre Vorstellung davon, wie viel Geld dabei hier im Spiel ist: Tausende, wenn nicht sogar Millionen Dollar. Wir erfuhren dies bereits vorher, als jemand mit einem ähnlichen Angebot an Emsisoft herantrat.

Tatsache: 7 von 8 getesteten kostenlosen Antiviren-Suites werden mit PUPs geliefert

Wir entschieden uns dazu, einen genaueren Blick darauf zu werfen, und führten den gleichen Test mit allen anderen kostenlosen vollständigen Antiviren-Suites durch; die Ergebnisse waren ziemlich schockierend:

Alle getesteten kostenlosen Antiviren-Programme werden mit Toolbars oder PUPs irgendwelcher Art geliefert – außer Bitdefender Free. Viele verfügten über eine “rebrandete” Ask-Toolbar, die besonders Pay-per-Install (PPI)-Einkommen generieren, wobei diese als Teil der Sicherheitslösung des jeweiligen Herstellers verkauft wird. Andere legen offen, dass sie Ask einsetzen (z. B. Avira), andere wie AVG gehen sogar so weit, dass sie Pop-ups mit Coupon-Angeboten einbauen.

Antiviren-Programme sollen Ihren PC gegen Viren schützen; jedoch handeln viele Ihnen bei der Installation fragwürdige Programme ein, ohne dass dies klar offen gelegt wird. Unten finden Sie die Liste von 8 kostenlosen Antiviren-Programmen und welche Art von PUPs Sie sich bei der Installation einhandeln. Bitte beachten Sie, dass wir nur vollständige Antiviren-Suites, aber keine Produkt nur mit Scanner aufgenommen haben.

Bitdefender Free: wie bereits erwähnt ist Bitdefender Free einer der einzigen “sauberen” Antiviren-Softwareanbieter, die Ihnen keinerlei PUPs mitliefern.

Comodo-yahoo1Comodo AV Free: ändert die Homepage und Suchmaschine auf Yahoo während der Installation, es sei denn, der Nutzer deaktiviert das Kontrollkästchen.

 

avast-dropbox1-300x209Avast Free: bietet Ihnen Dropbox standardmäßig zur Installation an, wenn Sie nicht das Kontrollkästchen deaktivieren.

 

 

panda-yahoomystart1Panda AV free: installiert die Panda Security-Toolbar, ändert die Suchmaschine auf Yahoo! und die Homepage auf MyStart (powered by Yahoo). Keine Produkt-Rebrands: wenigstens das Installationsprogramm weist klar aus, dass es sich um Yahoo-Produkte handelt.

 

 

AdAware-wcomp-bing1AdAware free: installiert WebCompanion standardmäßig, wenn Sie nicht das Kontrollkästchen deaktivieren. Ändert ebenso Ihre Homepage auf Bing und Ihre Suchmaschine auf Bing, wenn Sie sich nicht dagegen entscheiden. Es wird offen gelegt, dass AdAware diese Programme anbietet, damit die Software kostenlos bleiben kann.

 

Avira-safesearchext1Avira free: bietet Dropbox nach der Installation an. Ändert Ihre Suchmaschine zu Avira Safe Search, wobei es sich um eine Version der Ask-Toolbar handelt. Avira legt die Partnerschaft mit Ask offen und gibt an, dass “man Ask.com als Partner gewählt habe, um den Nutzern die SearchFree-Toolbar anzubieten, da Ask.com einer der vielen Anbieter sei, dessen Produkte Funktionen bieten, welche die Nutzer schätzen würden”.

 

ZoneAlarm-search1ZoneAlarm free AV + Firewall: bei benutzerdefinierter Installation: ändert Ihre Homepage auf ZoneAlarm und Ihre Suchmaschine. Dabei handelt es sich um eine rebrandete Ask-Toolbar, was allerdings auf der Website von ZoneAlarm keinerlei Erwähnung findet.

 

AVG-safeguard1AVG free: installiert Web Tuneup, einschließlich AVG SafeGuard. Stellt AVG Secure Search als Homepage, neue Tab-Seite und Standard-Suchmaschine ein. Die Toolbar wird von Ask geliefert, obgleich das nicht explizit erwähnt wird. Bietet ebenso AVG Rewards, wodurch Pop-up-Werbeanzeigen mit Coupons und Angeboten angezeigt werden.

Beliebte Mittel und Wege bei kostenlosen Antiviren-Programmen mit PUPs Geld zu machen

Sehen Sie sich einmal die Screenshots oben an, und Sie werden sehen, dass Antiviren-Softwareanbieter mehrere Mittel und Wege gefunden haben, um mit PUPs Geld zu machen:

Änderung der Suchmaschine: Ihre Standard-Suchmaschine wird auf diejenige nach Wahl des Softwareanbieters geändert, hier gibt es viel Geld zu holen. Denken Sie nur einmal an die Firma namens Google.

Ask-Toolbar: suchen Sie einmal schnell auf Google nach der Ask-Toolbar, und Sie werden erstaunt sein, wie viele Suchergebnisse mit dem Titel “Wie entferne ich die Ask-Toolbar?” und “Wie werde ich die Ask-Toolbar los?” Sie auf der ersten Ergebnisseite finden werden.Ask_toolbar

Rebrandete Ask-Toolbar: noch schlimmer als die Ask-Toolbar, da bei dieser Version der Toolbar dieser ein neuer Name und ein neues Aussehen vom Softwareanbieter gegeben wird, es sich aber letzten Endes ebenso um die Ask-Toolbar handelt.

Änderung der Homepage oder neuer Tabs: “Kostenloser” sicherer Traffic für eine Website Ihrer Wahl gefällig?

Ihre Daten sowie Ihr Such- und Surfverhalten: niemand weiß, was Antiviren-Softwareanbieter mit Ihren Daten anstellen. Bekannt ist jedoch, dass man sie beobachtet und verfolgt. Vertrauen Sie darauf, dass man mit Ihren Daten nichts anstellt? Die Online-Verfolgung von Personen und der Verkauf von Surfdaten und persönlichen Informationen ist seit Jahren schon ein großes Geschäft im Internet, wer weiß also, was damit getrieben wird.

Das Besorgnis Erregende an all diesen Mitteln und Wegen, die Antiviren-Softwareanbieter zum Einsatz bringen, ist die Tatsache, dass die PUPs bei der Standardinstallation mitgeliefert werden, es sei denn, ein Nutzer entscheidet sich dagegen oder liest genau das Kleingedruckte. Manchmal wird die Installation von PUPs noch nicht einmal offen gelegt oder gar verschwiegen. Selten wird überhaupt erklärt, wozu das installierte PUP gut ist. Das ist ein fragwürdiges Gebaren, um sich auf den Computer unwissender Nutzer einzunisten

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