Emotet kommt in umfangreichen E-Mail-Kampagnen zurück

Vor wenigen Wochen erst konnte der US-amerikanische Cybersecurity-Spezialist Proofpoint die Rückkehr der Hackergruppe TA542 (Threat Actor) und damit einhergehend der Emotet-Malware vermelden. Zuvor hatte die Gruppe ihre Aktivitäten für ganze 161 Tage eingestellt – die längste bekannte Pause dieses Bedrohungsakteurs. Proofpoint hat nun die aktuellen Kampagnen von TA542 in zwei neuen Blogs näher analysiert und konnte dabei bedeutende Veränderungen aufseiten der Cyberkriminellen feststellen.

Ab dem 17. Juli dieses Jahres, also dem Wiederaufflammen der Emotet-Bedrohung, haben die Security-Experten von Proofpoint die jüngste Serie an Emotet-Kampagnen von TA542 genauestens studiert. Dabei waren die Sicherheitsforscher in der Lage, eine Reihe von Übereinstimmungen mit vergangenen Kampagnen aber auch einige bemerkenswerte Neuerungen zu beobachten. Analog zu Kampagnen, die vor der im Frühjahr selbstauferlegten Pause von TA542 stattfanden, konnte Proofpoint auch bei den aktuellen Aktivitäten der Gruppe umfangreiche Attacken via E-Mail belegen.

Diese hatten ein Volumen von mehr als 7 Millionen Nachrichten in einem Zeitraum von 40 Tagen. Zum Vergleich: bei Kampagnen im Januar und Februar 2020 wurden über 6 Millionen Nachrichten innerhalb von 20 Tagen verzeichnet. Die Kampagnen in diesem Sommer haben ein durchschnittliches Volumen von knapp über 180.000 Nachrichten pro Tag im Vergleich zu über 300.000/Tag Anfang dieses Jahres. Die E-Mail-Kampagnen von TA542 sind damit, gemessen am Nachrichtenvolumen, mit großem Abstand die am weitest verbreitetsten – nur wenige andere Akteure kommen dem auch nur nahe.

Darüber hinaus ist auch dieses Mal wieder eine Vielzahl von Branchen und Organisationen auf der ganzen Welt von den Kampagnen betroffen. Eine Fokussierung auf bestimmte Sektoren lässt sich daher nicht erkennen.

Das ist neu bei Emotet

Eine wichtige Veränderung, die bei diesen Kampagnen jedoch festgestellt werden konnte, ist, dass TA542 die regionale Verteilung seiner E-Mail-Attacken und die dabei verwendeten Sprachen weiter ausgebaut hat.

Neben den bisher attackierten Ländern Deutschland, Österreich, Schweiz, Australien, Kanada, UK, USA, Neuseeland, Japan sowie den Vereinigten Arabischen Emiraten und Ländern in Lateinamerika, richteten sich die neuesten Angriffe auch an Empfänger in Finnland, Indien, Indonesien, Norwegen, Schweden, Vietnam sowie in den Niederlanden und den Philippinen. Zudem wurden die E-Mails auch hinsichtlich der darin verwendeten Sprachen angepasst: Diese umfassten nun auch Hindi, Indonesisch, Schwedisch, Norwegisch, Finnisch, Niederländisch, Vietnamesisch und philippinische Sprachen.

Eine weitere bedeutende Neuerung findet sich in der Payload, die Emotet in den derzeitigen Kampagnen nachlädt. TA542 hat die Schadsoftware so konfiguriert, dass Emotet die Banking Malware (bzw. Backdoor) Qbot installiert. Nach der Infektion eines Systems stellt Qbot eine Verbindung zu einem Remote Server her, so dass die Angreifer auf das betroffene System zugreifen können. Qbot ist sodann in der Lage, Informationen wie Bank- und Finanzdaten zu stehlen sowie die getätigten Tastatureingaben zu protokollieren, wodurch Benutzernamen und Passwörter ausgespäht werden können. Ferner bedient sich TA542 in den aktuellen Kampagnen auch wieder des sogenannten „Thread-Hijacking“, also dem Einschleusen von E-Mails mit Schadinhalten in bestehende bzw. andauernde E-Mail-Threads, um die eigenen Angriffe via E-Mail legitimer erscheinen zu lassen.

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